Tierschutz ist keine Selbstverständlichkeit – und Ehrenamt kein Selbstbedienungsladen
Wir haben uns als Tierschutzverein zusammengeschlossen, weil wir nicht länger dabei zusehen wollen, wie Tiere zwischen Zuständigkeiten, fehlenden Kapazitäten und bürokratischen Hürden durchs Raster fallen.
Wir übernehmen Aufgaben, bei denen Kommunen an ihre Grenzen kommen oder Strukturen fehlen. Aufgaben, die eigentlich durch staatliche Stellen – durch Bund, Länder und Gemeinden – getragen und finanziert werden müssten. Wir springen ein, wenn schnelle Hilfe notwendig ist und ein Tier nicht darauf warten kann, bis Zuständigkeiten geklärt sind.
Und wir tun das ehrenamtlich.
Wir finanzieren notwendige Kastrationen von Streunern. Dabei bekämpfen wir nicht nur die Symptome, sondern versuchen, die Ursache einzudämmen: unkastrierte Freigängerkatzen mit verantwortungslosen oder schlicht uninformierten Haltern tragen maßgeblich dazu bei, dass immer wieder neues Leid entsteht.
Wir nehmen Kitten von der Straße auf, lassen sie tierärztlich untersuchen, behandeln, versorgen, impfen und – wenn es notwendig ist – weiterführend medizinisch betreuen. Anschließend suchen wir verantwortungsvolle Zuhause für diese Tiere.
Was von außen manchmal nach „ein bisschen Tierschutz“ aussieht, bedeutet für uns in der Realität:
**Unzählige Stunden Arbeit. Telefonate. Fahrten. Tierarzttermine. Organisation. Bürokratie. Pflege. Vermittlung. Beratung. Nächte, Wochenenden und Feiertage. Und vor allem: erhebliche finanzielle Belastungen.**
All das kostet Geld. Viel Geld.
Dieses Geld können und wollen wir nicht dauerhaft aus unseren privaten Taschen bezahlen. Wir sind deshalb auf Spenden angewiesen und für jede Unterstützung von Herzen dankbar.
Diese Dankbarkeit können wir allerdings nur allgemein aussprechen.
Wir können nicht nach jeder einzelnen Spende persönlich anrufen, eine Nachricht schreiben oder uns ausführlich bedanken. Nicht, weil uns eine Spende egal wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil unsere Zeit und unsere finanziellen Mittel dort eingesetzt werden müssen, wo sie tatsächlich gebraucht werden: bei den Tieren.
Jede Stunde, die wir zur Verfügung haben, soll möglichst dort ankommen, wo sie etwas bewirkt und wo sie wirklich gebraucht wird.
Und an dieser Stelle möchten wir auch einmal etwas deutlich sagen:
Wer sich ehrenamtlich im Tierschutz engagiert, ist nicht automatisch dafür verantwortlich, jedes Problem lösen zu müssen.
Wir sind kein kostenloser Rundum-Service für alles, was irgendwo schiefläuft.
Wir beraten. Wir helfen, wo wir helfen können. Wir vermitteln. Wir organisieren. Wir übernehmen Verantwortung – weit über das hinaus, was viele Menschen überhaupt sehen.
Aber auch wir haben Grenzen.
Manchmal dürfen wir nicht helfen.
Manchmal können wir nicht helfen.
Manchmal fehlen uns die finanziellen Mittel.
Manchmal fehlen uns die Kapazitäten.
Und manchmal liegt die Verantwortung schlicht und ergreifend bei einer anderen Stelle.
Eine Ablehnung bedeutet dann nicht, dass uns ein Tier egal ist.
Sie bedeutet auch nicht, dass wir „nichts tun wollen“.
Sie bedeutet manchmal schlicht: "Wir können es nicht. Oder wir dürfen es nicht."
Gerade diese Situationen gehören zu den Dingen, die Ehrenamtliche im Tierschutz psychisch enorm belasten. Wir führen Gespräche, versuchen Möglichkeiten aufzuzeigen und erklären Zuständigkeiten. Und trotzdem erleben wir immer wieder, dass wir beschimpft, beleidigt oder öffentlich schlechtgemacht werden, weil die Antwort nicht diejenige war, die man sich gewünscht hat.
Das ist nicht akzeptabel.
Ehrenamtliche sind keine Angestellten der öffentlichen Hand. Wir sind keine Behörden. Wir sind keine 24-Stunden-Hotline. Und wir sind erst recht kein Blitzableiter für den Frust anderer.
Wir engagieren uns freiwillig. In unserer Freizeit. Neben Beruf, Familie und unserem eigenen Leben.
Wir tun es, weil uns Tiere am Herzen liegen.
Aber auch Tierschützer haben ein Recht auf Respekt.
Tierschutz geht uns alle an.
Nicht nur Vereine. Nicht nur Behörden. Nicht nur einzelne engagierte Menschen.
Uns alle.
Jeder kann seinen Teil beitragen.
Wer eine Katze hält, kann und sollte dafür sorgen, dass sie kastriert ist. Wer Tiere hält, trägt Verantwortung – und zwar nicht nur so lange, wie es bequem ist.
Wer helfen möchte, kann spenden.
Wer Zeit hat, kann sich ehrenamtlich engagieren.
Wer Platz und Möglichkeiten hat, kann Pflegestelle werden.
Wer Fachwissen besitzt, kann dieses einbringen.
Wer Kritik hat, darf sie äußern.
Aber bitte sachlich, konstruktiv und respektvoll.
Und wer der Meinung ist, dass wir etwas besser machen können, ist herzlich eingeladen, nicht nur von außen zu kritisieren - sondern es uns vorzumachen wie es besser geht.
Kommt zu uns. Lernt unseren Verein kennen. Schaut hinter die Kulissen. Seht euch an, was tatsächlich geleistet wird. Bringt Verbesserungsvorschläge ein. Packt selbst mit an. Übernehmt Verantwortung.
Denn Tierschutz lebt nicht von Forderungen.
Tierschutz lebt vom Mitmachen.
Wir wünschen uns keine blinde Zustimmung. Wir wünschen uns Menschen, die hinschauen, mitdenken und bereit sind, ihren Teil beizutragen.
Wir werden auch weiterhin dort helfen, wo wir können.
Wir werden weiterhin Tiere aufnehmen, versorgen, kastrieren lassen, medizinisch behandeln und in ein gutes Zuhause vermitteln.
Wir werden weiterhin unsere Zeit investieren und für die Tiere kämpfen.
Aber wir möchten dabei eines nicht vergessen:
Wir sind Menschen. Wir sind Ehrenamtliche. Und wir können nur so viel leisten, wie unsere Kräfte, unsere Zeit und unsere finanziellen Möglichkeiten zulassen.
Deshalb bitten wir nicht nur um Spenden.
Wir bitten um Respekt, Verständnis, Unterstützung und Eigenverantwortung.
Denn am Ende sollte es nicht darum gehen, wer wem etwas schuldig ist.
Es sollte darum gehen, dass Tiere nicht die Leidtragenden menschlicher Gleichgültigkeit, fehlender Verantwortung oder gegenseitiger Schuldzuweisungen werden.
Dafür stehen wir.
Und dafür brauchen wir euch.